Thakhek Loop

450km Freiheit – der Thakhek Loop

Ich habe Angst vor Motorrädern. Und vor Geschwindigkeit. Wenn ich ein Motorrad sehe, dann sehe ich mich gleichzeitig mit Abschürfungen am ganzen Körper, weil der Pessimist in mir mich bereits aus der Kurve fliegen sieht.

Tja und dann kam Micha.

Micha habe ich in Thailand kennengelernt und wir haben uns nach einem verschobenen Flug entschieden, gemeinsam Weihnachten mit unserer fantastischen thailändischen Familie zu feiern, über Silvester noch in Chiang Mai zu bleiben und uns dann gemeinsam ins Abenteuer Laos zu stürzen.

So kam es auch, dass wir am ersten Abend in Laos mit 2 Pärchen aus Amerika und Kanada einen sehr  „fröhlichen“ Abend mit 60 laotischen Whiskey-Shots in allen Geschmacksrichtungen erlebten. Als Micha gerade Snacks holen war, erzählten die Kanadier mir, dass es in Thakhek (Süd Laos) eine 450km lange Rundtour gibt, die mit dem Motorrad fantastisch sein soll. Mein Puls direkt auf 180 und ich quasi auf Knien, dass sie das Micha nicht erzählen. Denn Micha liebt Motorradfahren – und Abenteuer. Und ich – naja eher nicht so.

Die Gruppe hat dicht gehalten, ich am Ende nicht. Ich wusste, wie gerne Micha Motorradfahren würde und irgendwie war plötzlich die Gefahr einer Motorradtour mit Micha sehr attraktiv.

Mitte Januar brachte unsere Reise uns dann endlich nach Thakhek und die Entscheidung den sogenannten „Thakhek Loop“ in 4 Tagen zu fahren war schnell getroffen. Scooter waren uns zu langweilig und wie das Glück es wollte, stand bei der Vermietung ein großes Crossbike, das Michas Augen zum Leuchten brachten. Es hatte zwar nicht massig PS, dafür aber ordentliche Reifen und vor allem eher die Höhe für Menschen über 1,85.

Tag 1 – Thalang

Thakhek Loop

Meinem ersten Herzinfarkt war ich direkt bei der Probefahrt nahe, als der Herr meinte er müsste mal kurz beschleunigen. Ich dachte, ich sterbe. Mit dem Versprechen, es am Anfang ruhig anzugehen, damit ich ihm vertrauen kann und mich langsam ans Fahren gewöhnen kann, ging es los.

Am 1. Tag lagen ca. 100km vor uns und den ersten Stopp haben wir schon nach ca. 12km bei einer Buddha Cave eingelegt – da hat sich direkt das Crossbike ausgezahlt, denn vor uns lagen 5km steinige und sandige Staubpiste. Danach ging es immer weiter in die Berge, denn unser erster Nacht-Stopp sollte Thalang sein.

Die Landschaft um uns veränderte sich ständig. Aus sandigen Straßen und kleinen Dörfern wurde ein Bergpass mit vielen Kurven, grünen Wäldern und Stauseen mit Baumüberresten.

 

Und umso weiter uns die Reise brachte, umso mehr genoss ich das Fahren. Hatte ich anfangs eher vor Angst beim Beschleunigen aufgeschrien, so war es jetzt vor Freude. Es war einfach das Gefühl von Freiheit und Staunen für die Landschaft um uns.

Thakhek Loop

Glücklicherweise erreichten wir noch rechtzeitig unser Nachtlager, denn wir bekamen die letzte Hütte. Worüber sich eine Dame dann auch sehr echauffierte, weil sie für uns die Kühe auf der Straße aus dem Weg geräumt hatte und wir sie dreist überholt hätten – ja ist klar. Da sich später herausgestellt hat, dass sie sich über alles und jeden beschweren konnte, dabei am liebsten über Geldbeträge, beließen wir es dabei, bzw. lachten eher darüber.

Tag 2 – Cool Springs und Nam Sanam Wasserfall

Halbwegs ausgeruht sind wir am nächsten Morgen ziemlich spät losgefahren.  Da das Motorrad wahrscheinlich doppelt so schnell fuhr, als die Scooter, wussten wir, dass wir die meisten unterwegs wieder treffen würden.

Thakhek Loop

Der Hintern tat unfassbar weh, aber ich konnte es kaum erwarten wieder mit dem Motorrad weiter zu düsen. Das erste Stück wieder durch die Berge, direkt hinter einem Laster vollbepackt mit Schweinen. Die Bergfahrt schenkte uns eine unfassbare Aussicht über das Tal und dort trafen wir auch unsere Weggefährten auf ihren Scootern wieder.

Thakhek Loop

Die Fahrt brachte uns weiter durch Berge, Steppe, Felder, Dörfer und der erste Stopp waren die Cool Springs (knapp hinter Laksao). Leider war es relativ kühl und bewölkt, so dass wir uns nicht ins Wasser trauten. Da es erst 13 Uhr war sind wir direkt zum Nam Sanam Wasserfall weitergefahren.

Am Eingang wurden uns erstmal jeweils 10.000 Kip für den Eintritt abgenommen, dann folgten 1,5km auf dem Motorrad über Stock und Stein sowie durch einen kleinen Bach. Beim Parking Schild wollten wir das Motorrad abstellen, dann kam doch tatsächlich der Mann, der zuvor das Eintrittsgeld bekommen hat auf seinem Motorrad, um die 5.000 Kip fürs Parken zu nehmen. Er würde dafür aufpassen, bis wir zurück sind. Alles klar – haben wir also bezahlt und los.

Zum Wasserfall sind es 1,5km aufwärts durch den Jungel, über Baumstämme, kleine Bäche, Lianen und Felsen. Gedauert hat das ca. 30min bis wir am Wasserfall waren. Es war trotz recht wenig Wasser wunderschön und wir hatten einen Riesenspaß den Wasserfall nach oben zu klettern. Auf einem großen Stein genossen wir die Aussicht nach oben zum Ursprung des Wasserfalls. Sehr aufregend, abkühlend und abenteuerlich. Wir waren die einzigen dort, was für mich anfangs etwas gruselig war.

Als wir auf dem Rückweg am Parking ankamen, war der Typ schon weg, denn geöffnet war offiziell nur bis 16 Uhr. Wir haben nur darüber gelacht, es war uns wahrscheinlich vorher klar. Es war ca. 16:30 und wir wussten, es liegen noch 40km bis Konglor vor uns. Was recht sportlich ist, wenn man weiß, dass man noch maximal 1,5h Tageslicht hat und nicht weiß, wie die Straße sein wird.

Wir sind also wieder losgedüst und die Landschaft, die sich uns bot ist nicht zu beschreiben. Es war wie eine Steppe. Alles sandig und voller roter Erde, kleine Dörfer mit Bambushütten säumten die Straße. Da die Sonne am untergehen war, war alles in goldenes Licht getaucht. Überall waren Kühe, Wasserbüffel und Ziegen, die von ihren Besitzern nach Hause getrieben wurden. Es war ein fantastisches Schauspiel.

Die Straße hatte übrigens gigantische Löcher, aber Micha hat uns sicher durchgebracht.

Wir haben noch ein Guesthouse gefunden und den Tag wie es sich gehört mit Sticky Rice und Lao Bier beendet.

Tag 3 – Konglor Cave

Heute stand das Highlight des Loops auf unserer Liste: Konglor Cave.

Das besondere an dieser Höhle ist, dass der Hinboun Fluss komplett durch die Höhe fließt. Es ist möglich mit einem Boot den 7,5km langen Durchgang zu durchqueren.

Konglor Cave

Ich hatte natürlich wieder die Angst meines Lebens, denn Boote wackeln und Höhlen sind dunkel. Micha souverän und abenteuerlustig, wie immer.

Am Anfang war mir sehr unwohl in der Höhle, aber das gab sich mit der Zeit. Immer wieder mussten wir stoppen, da unser Guide das Boot über flache Stellen ziehen musste oder wir einen Wasserfall gegen den Strom hinaufmussten.

 

Das hat bis kurz vor Ende auch super geklappt. Ein letzter Wasserfall lag zwischen uns und dem Ausgang der Höhle. Wir sind alle ausgestiegen und Micha musste dem Bootsführer helfen, das Boot das Gefälle hinaufzuziehen. Leider hat sich zu viel Wasser im Boot gesammelt, es ist zurückgerutscht und hat Micha ein Stück mitgerissen. Zum Glück ist außer einem kleinen Schreck, einem Schnitt am Knie und nassen Sachen nicht mehr passiert.

Als wir ankamen konnten wir mitlachen, wie unser Guide die Geschichte seinen Kollegen erzählte. Denn obwohl wir kein Lao verstehen, waren die Gesten sehr deutlich und wir haben uns alle nochmals darüber amüsiert.

Als wir den Weg zurück durch die Höhle gemeistert hatten, war ich auch schon relativ souverän und konnte die Fahrt genießen. Alles zusammen hat dann doch ca. 3h gedauert und der einzige Programmpunkt war nach Kuon Kham zu fahren (ca. 40km) da wir dringend einen ATM brauchten und für den Start am nächsten Tag nahe am Rückweg sein wollten.

Micha hat mir dann abends noch beigebracht, wie man Motorrad fährt. Ein paar Meter uns bis zum 2. Gang habe ich es geschafft. Da war ich doch ziemlich stolz auf mich.

Tag 4 – Highway nach Thakhek

Der letzte Tag war nur für unsere Rückfahrt geplant, denn das Motorrad musste bis 12 Uhr zurück sein. Vor uns lagen ca. 130km und 2h „Highway“. Auf dem Highway kam es doch öfters zu gefährlichen Situationen, weil alle wie irre fahren, überholt wird immer und man gleichzeitig noch von Lastern aus Steinbrüchen komplett eingestaubt wird.

Wir haben es pünktlich zurück geschafft und bis auf den unfassbaren Schmerz am Hintern, war der Loop das absolute Highlight von Laos, wenn nicht sogar von meiner Reise bisher.

Vor allem hat sich mal wieder gezeigt, dass es sich lohnt, sich seinen Ängsten zu stellen und die Komfortzone zu verlassen. Ich habe jede Sekunde unseres Abenteuers geliebt und genossen.

Warst du schon Laos? Was hat dir am besten gefallen?

 

 

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